Angekommen in Bremen
INNENANSICHTEN
Laut dem Märchen der Gebrüder Grimm sind die Bremer Stadtmusikanten nie in Bremen angekommen. Unsere domiciler Reisegruppe schon. Unser Vereinsmitglied Katharina berichtet von Deutsche Bahn-Erfahrungen, von interessanten Gesprächen und einem spannenden Ausflugsziel.
Dortmunder Hauptbahnhof. Samstag, Acht Uhr.
Treffpunkt am Infostand. Punkt 8:53 Uhr geht es los. „Nur“ 30 Minuten Verspätung. Alle domiciler haben einen Platz gefunden. Auch unsere beiden heutigen Reiseleiterinnen Angelika und Silke, die den Ausflug geplant hatten.
Im ICE zu fahren ist komfortabel und ruhig, was nicht zuletzt auch die recht frühe Uhrzeit mit sich brachte, zu der wir heute gestartet sind. Zunächst unterhält man sich hier und da gedämpft. Einige von uns holen noch etwas abgebrochenen Schlaf nach. Am Nachbartisch wird überlegt, ob es nicht eine jazzige Alternative zum geplanten Programmpunkt „Überseefestival-Punkmusik“ geben könnte. “Jazz und Swing am Wasser“ gibt es - und hört sich verlockend an. Allerdings ist das Konzert bis zum Lesumhafen (22 Kilometer entfernt) doch etwas weit. Also bleibt es beim ursprünglich geplanten Überseefestival, was ich persönlich etwas schade fand.
Der Bordservice bietet Kaffee an. Tickets werden kontrolliert - und langsam erwachte das Abteil wieder. „Bremen wird in Kürze erreicht“, hören wir aus dem Lautsprecher. Wir erhalten von unserer „Reiseleitung“ alles, was wir für eine Städtereise brauchen: einen Stadtplan, eine detaillierte Reisebeschreibung und eine Speisekarte des Windmühlenrestaurants - eine Sehenswürdigkeit in Bremen. Perfekte Vorbereitung!
Ankunft in Bremen um 10.45 Uhr
Trubel auf dem Bahnsteig. Alle sollen aussteigen, sich in einer Gruppe zusammenfinden und der Reiseleitung zuhören. Unser Mitfahrer Norbert tanzt allerdings aus der Reihe und wird von Silke (auf nette Art) zurechtgewiesen. Silke und Angelika übernehmen nun ihre Rolle als Stadtführerinnen mit großem Engagement.
Auf dem Weg zur Mühle erfahre ich interessantes über Gabi, einer weiteren Mitreisenden. Sie ist seit kurzem regelmäßig montags im domicil bei der Monday Night-Session. Mit Michael, den sie in Essen kennengelernt hat und der ebenfalls domicilier ist, besucht sie alle Jazzspielorte schwerpunktmäßig im Ruhrgebiet. Das domicil sei eindeutig ihr Favorit, sagt sie. Eine Jazzliebhaberin ist sie nun geworden, die sich im domicil sehr wohl fühlt. Ob sie bald ein Mitglied unseres Vereins wird, frage ich? Das müsse sie sich noch überlegen, denn ihr Wohnort Essen sei doch recht weit entfernt. Aber sie könne es sich gut vorstellen. Insbesondere: Die Gemeinschaft gefällt ihr gut, sagt sie.
Kurzer Fotostopp an der Mühle. Danach das zwei Meter hohe Denkmal der Bremer Stadtmusikanten. Leider sind wir nicht die einzigen, die das Bremer Wahrzeichen sehen (und fotografieren) wollen. Aber wir entscheiden, uns nicht in die ellenlange Schlange einzureihen, sondern lieber Angelika und Silke zu lauschen, die uns genügend Schönes und Spannendes rund um das Märchen der Bremer Stadtmusikanten und der Stadt Bremen selbst erzählen wollen. Wie einfach und schön ist es, sich gedanklich zurückzulehnen und mitnehmen zu lassen in die unter anderem humorvoll beschriebene Geschichte Bremens und der Stadtmusikanten, die wohl gemäß dem Märchen der Gebrüder Grimm nie in Bremen ankamen. Da der Blick auf das Denkmal damit zur Nebensache geworden war, brauchte kein Originalfoto, sondern vielmehr ein Glaskunstewerk aus der Böttcherstraße.
Weiter geht es nun in die Böttcherstraße. Gebaut zwischen 1922 und 1931 ist die mehr als 100 Metern zwischen Marktplatz und Weser lange Straße damals wie heute die heimliche „Hauptstraße“ Bremens und seit den 1920er-Jahren ein spannender Mix aus Genussmeile, Handel Kunst und Kultur. Entspannung in einem vietnamesischen Restaurant auf dem Deck eines Schiffes: Es liegt amWeser-Kai zwischen dem Schnoor- und Stephaniviertel. Der Kellner ist ziemlich aufgeregt, weil er offenbar mit dem Besucheransturm reichlich überfordert ist. Hanoitee, gebackenen Bananen, Cappuccino und Zander entschädigen uns für die längere Wartezeit. Aschließend gehen alle ihrer Wege. Die einen zieht es an die Weser. Andere auf eine Bank vor eine Eisdiele. Andere ins Irish Pub zum Fußballschauen „Werder Bremen gegen Leverkusen“ oder ins historische Rathaus. Wieder andere einfach auf einen Spaziergang und in den Dom.
Anschließend Treffpunkt im Traditions-Café Tölke: Wir sammeln uns zur Fahrt zum Übersee-Festival. Dort gibt es viel Auswahl an Essen und Trinken und eine freundliche Bedienung. Wir sind allerdings müde vom zurückliegenden Tag und irgendwie will bei uns auch nicht so richtig Festival-Stimmung aufkommen. Ergo machen wir uns, nachdem wir im Windmühlenrestaurant zu Abend gegessen haben, auf den Rückweg zum Bremer Hauptbahnhof.
Im Zug fallen alle in Ihre Sitze. Es wird doch schnell dunkel draußen und innen ruhig. Einige von uns nutzen die Zeit, um ihren WhatsApp-Status mit Fotos des Tages zu aktualisieren. Zum Beispiel von Jürgen, der den Weihnachtsladen „Weihnachtsträume im Schnoorviertel“ oder das kleinste Haus Deutschlands, Hinter der Balge 9 (Übernachtung ab 140 Euro die Nacht!) fotografiert hat und nun postet.
Was bleibt?
Dank an Silke und Angelika für diesen kurzweiligen und toll geplanten Ausflug mit viel Sonne und gemeinsamen Erlebnissen. Gäbe es Sterne für Reiseführungen zu vergeben, wie für Restaurants, hätten wir euch beiden sicher fünf von fünf Sternen gegeben!
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