Jazz und Revolution. Wie das geht
JAZZFORUM 2024
In dieser Situation besteht das Ziel darin, ein friedliches Miteinander unterschiedlicher Kulturformen und ethnischer Lebensstile zu garantieren – was Kamasi Washington als Harmony of Difference begreift: Gerade die Diversität, die Differenz und die unterschiedlichen Menschen aus aller Welt, die hier zusammenkommen und vereinigt werden – das macht dieses Land groß." (Peter Kemper)
Der Club war gut gefüllt, und mit erstaunlicher Konzentration folgten die Zuhörer:innen Peter Kempers plastischen Ausführungen. Lebendige Wissenschaft und trotzdem unterhaltend.
Wir haben viel erfahren über den Zusammenhang von Jazz und Revolution. Der Widerstand der afro-amerikanischen Musiker:innen gegen die unmenschliche Unterdrückung durch die amerikanische Unterhaltungsindustrie. Wie sie immer wieder die rassistischen Ausgrenzungen ausgetrickst haben und gleichzeitig für ein Zusammenleben (Konvivialität) ohne Schranken warben.
Zersplitterung und Konvivialität
In der Soziologie herrscht seltene Einigkeit: Die Gesellschaft zerfällt heute zunehmend in viele kleine Gruppierungen, die zwar intern harmonieren, sich jedoch gegenüber anderen Gruppen abschotten. Der innere Zusammenhalt dieser Teilgesellschaften wird über "Echokammern" gemeinsamer Überzeugungen und "positive Cluster" von Homogenität und Uniformität gewährleistet. Diese kleinen, eher isolierten Gruppen dienen dazu, den sozialen Stress ihrer Mitglieder zu mindern und gleichzeitig deren Individualisierung zu befördern. (Peter Kemper)
Nun erfahren wir auch in unserer Gesellschaft immer mehr Zersplitterung und die Bildung von Echokammern, in denen man nur noch in seiner Position bestätigt wird, etwa durch die Algorithmen der Social Media-Plattformen. Kamasi Washingtons "Harmony of Difference" ist eine moderne Forderung gegen Hate Speech und Othering.
Nach dem Vortrag gab es ausreichend Gelegenheit zu Gesprächen. Es war sehr spannend, mit Peter Kemper über die Rolle des Jazz im Befreiungskampf der afro-amerikanischen Jazz-Musiker:innen zu diskutieren. Was dann passierte, war einmalig. Kaum jemand ging nach Ende der Veranstaltung aus dem Club. Die Anwesenden redeten weiter – untereinander und mit dem Referenten.
Die Transfer Buchhandlung aus Hörde hatte einen Bücherstand aufgebaut und verkaufte den Großteil der Bücher, die auf Wunsch signiert wurden.
Über das JAZZFORUM
Einmal im Monat (in der Regel an einem Dienstag parallel zum Musiker-Stammtisch) treffen sich Vereinsmitglieder (und solche, die es wahrhaftig werden wollen) in der Lounge oder im Club des domcils - natürlich zum Jazz. Es wird geplaudert, gefachsimpelt. Man unterhält sich über Musik und Musiker:innen, stellt vielleicht seine Lieblingsmusik vor oder lehnt sich einfach ganz entspannt zurück und lauscht der Musik und/oder dem, was andere darüber zusammengetragen haben. Alles zwanglos und in lockerer Atmosphäre.
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