Lineup: Alexandra Lehmler - Saxophon, Jörg Brinkmann - Cello, Apollonio Malello - Piano
Alexandra Lehmler hatte schon eine Weile lang davon geträumt, in einer bestimmten, klassisch anmutenden Besetzung zu spielen. Den Pianisten Apollonio Maiello kennt sie seit Ewigkeiten, seit fünfzehn Jahren haben sich ihre Wege immer wieder gekreuzt. Er sprang in verschiedenen ihrer Bands ein, war Teil einiger herausgehobener Projekte – etwa dem Green Dolphin Orchestra.
Im Falle des Cellisten Jörg Brinkmann verhielt es sich ein wenig anders. Sie sei, erzählt Lehmler, fasziniert gewesen von seinen Trio-Arbeiten, etwa mit Oliver Maas und Dirk Peter Kölsch oder Roman und Julian Wasserfuhr – „eine einprägsame Erfahrung“. Es dauerte dann allerdings eine Weile, bis sich eine Gelegenheit ergab, mit ihm zu arbeiten. Die tat sich im letzten Jahr durch Enjoy Jazz auf, das Lehmlers Wunschkollaboration mit Maiello und Brinkmann Realität werden ließ. „Vorab haben wir die Chance einer Residency in der Abbaye de Neumünster in Luxemburg erhalten. Die hat die Tiefe des Programms erst möglich gemacht. Denn wir konnten dort eine Woche lang intensiv mehr oder weniger Tag und Nacht an den Stücken und dem Zusammenspiel arbeiten. Das war etwas sehr Besonderes, von dem wir sehr profitiert haben.“
Die darauf folgende Zusammenarbeit zeigt genau diese Intensität und Besonderheit, welche aus dieser Konstellation erwächst: Eine Vertrautheit und Innigkeit, Wärme und Sensibilität. Die Kompositionen atmen paradoxerweise den Geist der Stille, was aber ein bisschen über die Bewegung und die Lebhaftigkeit unter der Oberfläche hinwegtäuscht: Da lauern komplexe musikalische Strukturen, und tiefreichende emotionale Schichten kommen zum Vorschein. Mag auch ein melancholisches Grundgefühl in diesen gleichberechtigt erarbeiteten Stücken vorherrschen – es wird immer wieder von melodischer Leichtigkeit konterkariert. Wie Alt- und Sopransaxophon, Klavier und Cello sich umgarnen und ergänzen, wie Motive von den drei Charakteren jeweils eigenwillig und doch vereint fortgesponnen werden, und wie die Akteure die Kompositionen, so anmutig und präzise sie sind, in ein improvisatorisches Brodeln überführen, das ist höchst beeindruckend. Und berührend. Manchmal entwickeln sich die Stücke behutsam; dann tun sich kleine Zwischenräume auf, in denen etwas Unerwartetes entstehen kann. Lehmlers erzählerisch-schwebende Linien, das harmonisch vielgestaltige Spiel Maiellos, das facettenreiche Cello Brinkmanns – immer hat man das Gefühl, hier keine Note versäumen zu wollen und zu dürfen.
Text nach: Ulrich Rüdenauer/ Enjoy Jazz
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